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Die Wahrheit über
die angebliche Abzockerei
Allmählich bringen
sich sowohl Befürworter als auch Gegner der Revision des
Arbeitslosenversicherungsgesetzes - über welche das Schweizer Volk
bis zum 26. September 2010 zu befinden hat - in Position. Warum
eigentlich eine Revision? Auch die
Arbeitslosenversicherung (ALV) ist finanziell aus dem Gleichgewicht
geraten. Weil die Ausgaben seit Jahren die Einnahmen übersteigen,
häuften sich die Schulden auf mittlerweile rund 7 Milliarden (nicht
Millionen) Franken an. Mit der Gesetzesrevision wollen Bundesrat und
Parlament die Schulden abbauen und die ALV finanziell stabilisieren.
Bis
die Schulden abgebaut sind, wird - wie schon von 1996 bis 2003 - von
allen Besserverdienenden ein Solidaritätsbeitrag von 1 % auf dem
Teil des Lohns zwischen 126 000 und 315 000 Franken erhoben. Die
Besserverdienenden leisten damit einen happigen Sonderbeitrag an die
ALV, ohne dass sie bei Erwerbslosigkeit davon profitieren würden,
zumal sie trotz entrichteter Mehrprämie keine Erhöhung der
Versicherungsleistung beanspruchen können. Und wiederum werden diese
Sonderbeiträge leistenden Gentlemen von linken Gruppierungen als
Abzocker gebrandmarkt. Von Dankbarkeit keine Spur. Dabei sollten
insbesondere unterdurchschnittlich Betuchte die generösen
Leistungserbringer zu schätzen wissen!
An
dieser Stelle ist ein Blick auf die Entwicklung unserer
Sozialversicherungen angebracht. Seit 1948 erhöhte sich die
Soziallastquote - dies ist der Quotient aus
Sozialversicherungseinnahmen und BIP und ist ein Indikator für die
relative Belastung der Volkswirtschaft durch Aufwendungen für die
Sozialversicherungen - von unter 10 % auf nahezu 30 %. Und trotz
dieser Fakten palavern Linke unentwegt von Sozialabbau und
Abzockerei? Völlig deplaziert! Allein die Beitragssätze zur ALV
wurden seit der Einführung 1977 rund verdreifacht; die jährlichen
Gesamteinnahmen stiegen um fast das 15fache von gut 0,4 Milliarden
auf fast 6 Milliarden Franken. Gleichzeitig haben sich aber die
Gesamtausgaben gar um den Faktor 50 ins Bodenlose katapultiert. Wer
hier von Leistungsabbau auf dem Buckel der Schwächsten spricht,
verschliesst sich entweder der Realität, lebt gerne auf Kosten
anderer, hat einen zu bescheidenen Horizont oder verkennt sichtlich
die alltägliche Voraussetzung, dass nun mal Einnahmen und Ausgaben
in einem ausgewogenen Verhältnis stehen müssen. Es ist Zeit, die
Soziallastquote von mittlerweile gegen 30 % nicht weiter ins
Uferlose zu hieven.
Ein
Ja zur ALV-Vorlage erhöht diese Quote zwar nochmals, aber primär auf
dem Buckel mittlerer und hoher Einkommen. Ein Nein würde die
Soziallastquote weit mehr anheizen und die Problemlösung auf die
lange Bank schieben. Noch nie konnte ein bodenloses Fass gefüllt
werden, indem einfach mehr hineingeschüttet wurde. Es ist an der
Zeit, dass alle an einem Strick ziehen und ihren persönlichen
Beitrag zur Genesung der wichtigen Arbeitslosenversicherung leisten. |